Universität Witten-Herdecke: Parkhaus/Gewerbe statt Wald/Klimaschutz?

Die Universität Witten-Herdecke will expandieren. Da das Raumangebot in den bestehenden Gebäuden schon jetzt äußerst begrenzt ist, soll mehr Platz (auch für mehr Studentinnen und Studenten) durch einen Neubau auf dem jetzigen großen Parkplatz geschaffen werden. Das ist gut so.

Voraussetzung ist, dass der dadurch bedingte Wegfall von Parkplätzen an anderer Stelle kompensiert wird. Für diese Kompensation ist der Bau eines Parkhauses vorgesehen.

Expansion, Neubau und Parkhaus sind grundsätzlich begrüßenswert und unproblematisch. Problematisch aus meiner Sicht ist, dass in der ersten Version der Flächennutzungsplanänderung (Vorlage 0866*/Abstimmung 26.6.18 im ASU: Ausschuss für Stadtentwicklung und Klimaschutz) der unterhalb des ZBZ liegende kleine Wald zugunsten des Parkhauses – und ominöser Gewerbeflächen – geopfert werden sollte. Der geplante „Ausgleich“ jwd am Stadtrand ist doch wohl ein schlechter Witz.

Ich habe mich deshalb bei der Abstimmung über die Vorlage enthalten. Ein solches Rasieren eines nicht unerheblichen Baumbestands ist in Zeiten des notwendigen Klimaschutzes (mehr Grün, mehr Bäume) aus meiner Sicht nicht zu vertreten.

Die negativen Auswirkungen auf die Umwelt sind schließlich keine Peanuts. Hier die Bewertung aus dem Umweltbericht (wobei ich einige Auswirkungen für erheblicher halten würde):

Schutzgut Auswirkungen
Menschen/Bevölkerung unerheblich
Tiere und Pflanzen erheblich
Boden/Fläche erheblich
Wasser unerheblich
Klima/Luft mäßig erheblich
Landschafts-/Ortsbild unerheblich
Kulturgüter und sonstige Sachgüter unerheblich

Mit Interesse habe ich dann auf der letzte ASU-Sitzung am 11.10.18 (der letzte Stand der Planung wurde vorgestellt; die WAZ berichtete darüber am 14.10.18 „Die Uni will Anfang 2020 neu bauen“: Die Universität Witten will Anfang 2020 neu bauen) zur Kenntnis genommen, dass in der aktuellen Planung die Lage des Parkhauses verschoben worden ist. Das Parkhaus soll jetzt unmittelbar neben dem ZBZ errichtet werden (siehe Skizze im WAZ-Artikel).

Dadurch könnte immerhin der größte Teil des kleinen Waldes erhalten bleiben, wenn es nur um das Parkhaus gehen würde. Tatsächlich taucht aber im Bereich dieses Waldes in der Planskizze wieder die ominöse Gewerbefläche auf.

Klimaschutz und Nachhaltigkeit soll wieder einmal fiktivem Gewerbe geopfert werden? Während ich beim Parkhaus noch einen gewissen Handlungsdruck nachvollziehen konnte (der so durch die neue Planung nicht mehr existiert!), erscheint mir das Opfer des kleinen Waldes jetzt willkürlich und genau genommen überhaupt nicht mehr zu verantworten.

Seit Jahr und Tag stehen im Umfeld der Uni jetzt schon Flächen für Ausgründungen zur Verfügung –  nur: Gemessen an den ursprünglichen Entwicklungsphantasien (die Uni Dortmund schwebte wohl als Fata Morgana den damaligen Witter Planern vor) hat sich da nicht viel getan.

Im Übrigen verstehe ich nicht, wieso das Parkhaus nicht auf dem Areal des jetzigen Ascheplatzes (ehemaliger Sportplatz) errichtet wird. Damit wären zwei Probleme gelöst: Das jetzt hässliche Entrée der Uni wäre zumindest definiert und je nach Architektur des Parkhauses attraktiver gestaltet, und der kleine Wald könnte in Gänze erhalten bleiben.

*Flächennutzungsplanänderung 120B „Universität, Forschungs- und Entwicklungszentrum“/Entwurfsbeschluss/Beschluss zur öffentlichen Auslegung: Vorlage 0866