Neue Entgeltordnung Museum – Wenn die Zahlungsfähigen bluten sollen, dann auch die nicht Zahlungsfähigen?

Auf der letzten Sitzung des Verwaltungsrats Kulturforum (KuFo) ist mehrheitlich gegen meine Stimme  eine neue Entgeltordnung des Märkischen Museums beschlossen worden. Warum habe ich nicht zugestimmt?

Der normale Eintritt wird in Zukunft 4 € kosten.

→ Link: Vorlage 29 Entgeltordnung des Märkischen Museums: Vorlage Nr.029 inkl. Anlagen

Aus meiner Sicht: Warum nicht?

4 € für Kunstinteressierte sind schließlich nicht die Welt. Der Eintrittspreis wird das Museum wohl nicht in die schwarzen Zahlen bringen (die bei einem Museum auch nicht zu erwarten sind → Erfolgsplan 2013: Umsatzerlöse und sonstige betriebliche Erträge: 75.200 €, Löhne und Gehälter + soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und Unterstützung: 325.614 €, sonstige betriebliche Aufwendungen: 240.600 €), aber immerhin: Bei 5.500 Besuchern/Jahr würde die neue Entgeltordnung (normaler Eintrittspreis unterstellt) eine zusätzliche Einnahme von 22.000 € ergeben. Hoffen wir, dass sich niemand von den 4 € abschrecken lässt.

Da aber in Witten fast nichts ohne Schildbürgerstreiche verläuft, war der natürlich auch bei der neuen Entgeltordnung angesagt.

Der Streich besteht in einer Regelung für den ermäßigten Eintritt. Denn Arbeitslose, „Bezieher von Hartz-IV-Leistungen“  (Bezieherinnen gibt es auch!) etc. sollen 2 € für den Eintritt in das erlauchte Haus abdrücken, also die Hälfte des Normaleintritts.

Was soll das?

Glauben denn die Befürworter dieser Regelung, dass von den eh schon museumsfernen Gruppen z.B. der Arbeitslosen und „Beziehern von Hartz-IV-Leistungen“ die 2 € nicht als zusätzliches Hindernis für einen  Museumsbesuch empfunden werden? Oder will mensch diese Gruppen im Museum nicht gern sehen?

Meine Intervention im Verwaltungsrat, auf den ermäßigten Eintritt zu verzichten und die in der Regelung genannten Gruppen ganz von Eintritt frei zu stellen, ist im Verwaltungsrat auf taube Ohren gestoßen. Wir haben deshalb – nur deshalb – die neue Entgeltordnung abgelehnt.

Besonders verwundert hat mich in diesem Zusammenhang die kritiklose Zustimmung der SPD-VertreterInnen. Das soziale Gespür scheint den GenossInnen in diesem Fall abhanden gekommen zu sein. Eine merkwürdige Auffassung der im aktuellen Wahlkampf immer wieder beschworenen sozialen Gerechtigkeit – offensichtlich nach dem Motto: Wenn die Zahlungsfähigen bluten sollen, dann auch die nicht Zahlungsfähigen. 

Siehe zu diesem Themenkomplex auch meine Beiträge „Melkkuh Musikschule …?/April 2013, „Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) Kulturforum Witten …?/April 2013 und „Stadtbücherei – Quo vadis?“/März 2013