Fehlplanung Uni jetzt im ersten Schritt beschlossen: Meine Gegenrede im Rat

Wie ich schon in meinem Beitrag „Universität Witten-Herdecke: Parkhaus/Gewerbe statt Wald/Klimaschutz?“/23.10.18 dargestellt habe, plant die Stadt, für ein Parkhaus und Gewerbegebiet den kleinen Wald links von der Alfred Herrhausen-Straße zu rasieren.

In dem genannten Beitrag habe ich schon meine Ablehnung dieser Planung deutlich gemacht. In dem Beitrag ging es noch nur um das Gewerbegebiet. Zwischenzeitig ist mir klar geworden, dass es für den jetzt geplanten Standort des Parkhauses vor dem ZBZ eine plausible Alternative gibt: den Bau des Parkhauses auf dem unsäglichen Ascheplatz (ehemaliger Sportplatz).

Diesen Vorschlag kommentierte der Baurat im Rat mit der Feststellung, mensch habe sich beim jetzt geplanten Standort des Parkhauses für eine Bebauung in die Tiefe und nicht in die Breite entschieden. Und mit dieser Begründung wird ein kleiner Wald vernichtet und der hässliche Ascheplatz quasi als Entrée der Uni erhalten? Wahrlich eine Fehlplanung.

Abschließend abgestimmt und beschlossen (gegen die Stimmen der Fraktionen bürgerforum und Die Linke) wurde im Rat im ersten Schritt über eine Flächennutzungsplanänderung, aus der ein Bebabuungsplan planungsrechtlich abgeleitet werden muss. Bleibt als Hoffnung für den Wald noch die Korrektur des Bebauungsplans, dessen Aufstellung im ASU beschlossen worden ist und für den noch kein abschließender Beschluss vorliegt.

→ Flächennutzungsplanänderung Planzeichnung: Aenderung_des_Flaechennutzungsplans

→ Entwurf Bebauungsplan Planzeichnung: Entwurf_des_Bebauungsplans

Übrigens haben die Wittener Grünen sowohl im ASU wie im Rat der Fehlplanung zugestimmt. Weg mit dem Wald mit Zustimmung der Grünen? Eine konsequente Umweltpolitik, für die die Grünen doch wohl gewählt worden sind, sollte anders aussehen – vor allem, wenn es auch noch Alternativen gibt!

Im Folgenden meine Rede, die ich zu dieser Angelegenheit im Rat gehalten habe:

„Frau Bürgermeisterin, meine Damen und Herren,

ich habe im ASU der heute abzustimmenden Flächennutzungsplanänderung und dem korrespondierenden Bebauungsplanentwurf – planungsrechtlich eine Einheit – nicht zugestimmt. Eine Abstimmung gegen die Uni, wie ich gefragt worden bin? Zur Klarstellung:

– Ich begrüße ausdrücklich die Erhöhung der Ausbildungs-kapazität der Uni.

– Ich begrüße auch die bauliche Erweiterung der Uni. Die beengten räumlichen Verhältnisse im alten Gebäude waren wirklich kaum noch akzeptabel und wären es bei Erhöhung der Kapazität überhaupt nicht mehr.

– Und ich sehe auch den damit verbundenen notwendigen Bau eines Parkhauses ein.

Bei aller Verbesserung der ÖPNV-Anbindung und eines wünschbaren Umstiegs auf das Rad: Wer die Belegung des jetzigen großen Parkplatzes kennt, wird wissen, dass – auch abgesehen von gesetzlichen Vorgaben – auf ein Parkhaus nicht zu verzichten ist.

Warum dann die Ablehnung der Vorlagen?

Die Planung besteht aus zwei Abschnitten:

1. dem Areal für das Parkhaus;

und 2. einem Sondergebiet, das für die Ansiedlung von Gewerbe – Stichwort Technologiepark – bereit gehalten werden soll.

Meine Ablehnung betrifft beide Abschnitte:

Zu 1. Die aktuell geplante Platzierung des Parkhauses halte ich für verfehlt.

Das Parkhaus gehört aus meiner Sicht nicht an diese Stelle, sondern auf den jetzigen, das Entrée der Uni gegenwärtig extrem unattraktiv gestaltenden Ascheplatz.

Ein Parkhaus neben dem architektonisch aufwendigen ZBZ wäre eine Bausünde, ein einigermaßen attraktiv gestaltetes Parkhaus auf dem Ascheplatz würde das Entrée der Uni gestalterisch positiv definieren.

Mit dieser Verlagerung könnte dann auch der durch die jetzige Planung betroffene Teil des Waldbestands erhalten bleiben.

Das Planungsamt erteilte auf einer Bürgeranhörung 2016 der Bebauung des Ascheplatzes lakonisch eine Absage: Man könne dort nicht bauen. Warum eigentlich nicht? In Entwicklungsphase 2 – 4 des Masterplans Universität aus 2015 wird dieser Bereich als bebaubar dargestellt. Es geht also offenbar.

Zu 2. Beim Sondergebiet kann ich nicht nachvollziehen, wieso bei den gegenwärtigen Erfahrungen mit den schädlichen Auswirkungen des Klimawandels ein einigermaßen intakter kleiner Wald mit hoher Umweltwertigkeit einem potentiellen Gewerbegebiet geopfert werden soll.

Wenn der Wald geopfert würde, würde damit eine nicht wieder gut zu machende Umweltsünde vorbereitet, weil der sogenannte Ausgleich in weiter Ferne kein wirklicher Ausgleich sein kann.

In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass seit Jahr und Tag Flächen im Umfeld der Uni für Ausgründungen und andere Uni-nahe Nutzungen zur Verfügung stehen, die bisher nicht genutzt worden sind.

An Potential fehlt es also auch ohne die Neuplanung schon jetzt nicht.

Warten wir doch erst einmal ab, ob die bisher schon zur Verfügung stehenden Flächen wirklich bespielt werden können!

Aus den genannten Gründen habe ich im ASU die Vorlagen abgelehnt und werde auch heute die Änderung des Flächennutzungsplans ablehnen: Nicht gegen die Uni, sondern für sie und die Umwelt.

Seien wir doch froh, dass es den kleinen Wald gibt, und zerstören wir ihn nicht ohne Not!

Gestatten Sie mir zum Schluss eine Anmerkung: An der breit aufgestellten TU Dortmund studieren ca. 35.000 Studenten, im boomenden Dortmunder Technologiezentrum sind 300 Unternehmen angesiedelt und arbeiten 10.000 Beschäftigte. Im Vergleich dazu leuchtet unmittelbar ein, dass die Uni Witten selbst nach Kapazitätsausweitung auf 3.000 Studierende immer noch sehr klein sein wird – und das Ausgründungspotential auch.“