Wer lügt eigentlich?
Im Zusammenhang mit dem von Russland behaupteten Drohnenangriff der Ukraine auf eine Residenz Putins sind die deutschen Gazetten voll mit Vorwürfen in Richtung Russland, der Kreml würde lügen. Natürlich lassen sich auch die einschlägigen europäischen PolitikerInnen nicht lumpen: Auch für Frau Kallas, Auslandsbeauftragte der EU bis 2029 und litauische russophobe Scharfmacherin, ist z.B. klar, dass Russland wieder einmal lügt. Und geradezu selbstverständlich ist für Selenskij der gesamte behauptete Angriff eine Lüge. Aber stimmt das? Sind nicht die Lügenvorwürfe selbst – Lügen? Sehen wir genauer hin.
Zur Aufklärung empfehle ich die kluge Analyse von Florian Rötzer im OVERTON Magazin: „CIA bestätigt ukrainischen Drohnenangriff, allerdings auf ein militärisches Ziel in Nowgorod“*. Also:
1. Sowohl die CIA wie auch die von Russland dokumentierten Flugbahnen der Drohnen bestätigen, dass es einen massiven Drohnenangriff zumindest in Richtung der Residenz, möglicherweise aber auch auf ein von der CIA nicht näher genanntes militärisches Ziel gegeben hat. Selenskij jedenfalls hat deshalb eindeutig gelogen.
2. Beim Ziel Residenz gibt es aus meiner Sicht vor dem Hintergrund der Analyse der Flugbahnen zwei Möglichkeiten. Entweder die frisch vorgelegten russischen Beweise für einen Angriff auf die Residenz sind stichhaltig (Auswertung der Flugdrohnenroutendaten, siehe Beitrag von Florian Rötzer) – diese Möglichkeit halte ich für die wahrscheinlichste -, oder es handelte sich von russischer Seite um eine – angesichts der Richtung und Massivität des Angriffs verständliche – irrtümliche Zielannahme. Bei dieser zweiten Möglichkeit bleibt dann
3. das ominöse militärische Ziel als wirkliches Ziel übrig. Rötzer schreibt dazu: „Arestovich, der ehemalige Präsidentenberater von Selenskij, der nach seinem Rausschmiss ins Exil gegangen ist, hatte bereits gestern darauf hingewiesen, dass es sich um einen Angriff ‚auf eine Spezialanlage der Russischen Föderation, die für die Führung der russischen Streitkräfte im Falle eines Atomkriegs ausgelegt ist‘ handeln könnte. Von hier aus würden „Russlands Atomstreitkräfte gesteuert….**
Wenn es sich beim Angriffsziel um „eine mit strategischen Waffen zusammenhängende Anlage“ gehandelt hat, würde das den ukrainischen Angriff nicht weniger brisant machen. Im Gegenteil.
Irritierend für mich ist, dass die CIA das militärische Ziel des ja zugegebenen Angriffs nicht näher benennt. Irritierend vor allem deshalb, weil dieser Angriff ohne die Lieferung von z.B. Satellitendaten von außen – die Ukraine ist dazu nicht bekanntlich nicht in der Lage – nicht möglich gewesen wäre. Die Frage drängt sich auf, ob die CIA nicht an der Planung und Durchführung des Angriffs selbst beteiligt war, und wenn, ob die CIA nicht in Bezug auf den Ukrainekrieg ein Eigenleben führt und Trump die Kontrolle über den US-Amerikanischen „Deep State“ entglitten ist. Bekanntlich gibt es ja in der Republikanischen Partei und der US-Amerikanischen Administration starke neokonservative Kräfte, die mit der Appeasementpolitik Trumps gegenüber Russland überhaupt nicht einverstanden sind.
Bleibt als Fazit: Die lauten Lügenvorwürfe haben sich wieder einmal als Lügen entpuppt. Es hat den Drohnenangriff gegeben, und er ist – egal welches Ziel die Ukraine ins Visier genommen hat – skrupellos, gefährlich, mit hohem Eskalationspotential behaftet und mit dem einzigen Ziel durchgeführt worden, einen sich anbahnenden wirklichen Friedensprozess und eine weitere Annäherung zwischen den USA und Russland als Voraussetzung für eine nachhaltige Konfliktlösung zu stören und/oder zu unterbinden.
*Siehe dazu: https://overton-magazin.de/top-story/cia-bestaetigt-ukrainischen-drohnenangriff-allerdings-auf-ein-militaerisches-ziel-in-novgorod//1.1.26 und https://overton-magazin.de/top-story/drohnenangriff-auf-putins-residenz/31.12.25. Siehe auch die instruktiven Kommentare zu diesen Beiträgen. Eine Einschätzung im Beitrag von Florian Rötzer halte ich für falsch. Rötzer äußert die Vermutung, die Russen hätten den Drohnenangriff möglicherweise vorgetäuscht, um ihre Verhandlungsposition gegenüber den USA zu verbessern. Abgesehen von der mittlerweile klaren Bestätigung des Angriffs dürfte es Russland angesichts seiner aktuellen militärischen und politischen Stärke kaum nötig haben, seine Verhandlungsposition mit Fake-Aktionen zu verbessern.
**Fortsetzung des Zitats: „….Nach der vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Karte der Drohnenflüge und -abschüsse kann ein anderes Ziel durchaus möglich gewesen sein. Was diese „Spezialanlage“ ist und wo sie sich befinden soll, hat Arestovich nicht gesagt. Von der CIA war auch nicht zu vernehmen, zumindest berichteten die Medien nichts davon, was für eine militärische Anlage das Ziel gewesen könnte.
Sollte es jedoch eine mit strategischen Waffen zusammenhängende Anlage sein, wäre ein solcher Angriff eigentlich noch provokativer als der Versuch, die Präsidentenresidenz ins Visier zu nehmen, zumal nicht bekannt ist, wo sich Putin aufgehalten hat. Anders als in vielen westlichen Medien dargestellt, könnte die Kreml-Version auch ein Versuch gewesen sein, die Gefährlichkeit herunterzuspielen und Einrichtungen des nuklearen Arsenals außen vor zu halten. Bei einem Angriff darauf, müsste der Kreml massiv zurückschlagen und eventuell überlegen, Atomwaffen einzusetzen, oder Druck zu erhalten, dies zu machen.“
